Druiden-Loge „Schwarzer Diamant“
Zu „Druiden“ fällt den
meisten Menschen nur Miraculix ein. Anderes als Zaubertränke hat der
Deutsche-Druiden-Orden im Sinn. Etwa 70 deutsche Logen gibt es. Eine von
ihnen, der „Schwarze Diamant“, hat ihren Sitz in Rüttenscheid.
Einmal in der Woche, mittwochs,
treffen sich die 33 Brüder des „Schwarzen Diamanten" in ihrem Logenhaus.
Was hier geschieht, mag kompliziert scheinen. Geheim ist daran jedoch nichts.
„Wir sind Leute, die ein anspruchsvolles Gespräch suchen", erklärt
Rolf Oesterheld. Juristisch ist die Loge ein Verein und Oesterheld erster
Vorsitzender. Auf Logenebene heißt sein Amt „Edelerz". Ein Titel,
der ebenso auf überkommene Traditionen zurückgeht wie das Selbstverständnis
des Druiden-Ordens. Der „Vereinigte Alte Orden der Druiden" wurde 1781
in London gegründet.
Die Loge "Schwarzer Diamant"
bestand erstmals 1925 in Gelsenkirchen, 1973 wurde sie in Essen wiederbelebt.
Ziele aus dem 18. Jahrhundert
prägen Orden und Loge bis heute: Geselligkeit und Weiterbildung unter
dem Dach von Humanität, Brüderlichkeit und Toleranz. In politischen
und religiösen Fragen bleiben sie neutral. Wichtig sei besonders das
offene Ohr als Bruder, so Rolf Oesterheld: „Das wollen wir leben." Unwichtig
werden dabei Alter und Beruf. Im „Schwarzen Diamanten" sind der Uhrmachermeister,
Polizeibeamte, Astrophysiker, Landschaftsgärtner und Ingenieur schlicht
Männer gleicher Geisteshaltung.
Das wöchentliche Treffen,
für alle eine gern erfüllte Mittwochs-Pflicht, ist dreigeteilt.
Zunächst zieht man sich in die Innenloge zurück. „Da kommt kein
Außenstehender rein", stellt der Edelerz klar. „Was hier gesprochen
wird, davon dringt kein Wort nach außen." Das gebiete die Vertraulichkeit
und die druidische Tradition. „1781 konnte es lebensgefährlich sein,
ein offenes Wort zu reden." Meist gestaltet ein Vortrag aus Musik, Literatur,
Philosophie oder Ethik die Innenloge. Ihr folgt die Außenloge.
Hier hält ein Logenmitglied ein Referat, anschließend wird diskutiert.
„Die Brüder bringen sich unterschiedlich ein", weiß Günter
König, Alt-Edelerz. Der Abend endet im Clubraum, oft mit persönlichen
Gesprächen.
Die Druiden des „Schwarzen
Diamanten" können aber auch kräftig anfassen. Ihr Logenhaus haben
sie in Eigenarbeit ausgebaut, regelmäßig wird verschönert
und renoviert. Was einmal eine Farbenfabrik war, ist heute „Stätte
der Begegnung". Als solche ist die Loge Gegenpol zur Arbeitswelt.
In der Firma gerate man „leicht in Verruf, wenn die ethischen Ansprüche
zu hoch sind.“ weiß Rolf Oesterheld. Erweiterung des Wissens, Hilfsbreitschaft,
Toleranz und Freundschaft leiten ihr Handeln an. „In diesem ethischen Sinn,
haben wir einen elitären Anspruch, aber an uns selbst", betont Günter
König. Bei aller Ernsthaftigkeit verachten die Männer des
"Schwarzen Diamanten“ aber keineswegs fröhliche Lustbarkeiten - gemeinsam
mit ihren Familien. Diese nehmen an Exkursionen, Festen und offenen Abenden
teil: Ein wichtiger Ausgleich für die Zeit, die der Vater und Ehemann
der Loge widmet.
Von außen sind Druiden
meist durch einen kleinen Anstecker an der Kleidung erkennbar. Der Siebenstern
ist schon lange das Zeichen ihres Ordens. Doch Traditionsbewußtsein
bedeutet nicht, hinter der Zeit zu leben: Seit Februar stellt sich der
„Schwarze Diamant" im Internet vor - als erste Druiden-Loge Deutschlands.
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Drei Druiden vor der Außenloge
des „Schwarzer Diamanten“:
Edel-Erz Rolf Oesterheld
(li.), Alt-Edel-Erz Günter König (re.) und Heinz Dörendahl
(M.). Er war treibende Kraft, der Loge moderne Kommunikationsmittel wie
Internet und eMail zu erschließen.
Text: Bettina Hellenkamp,
WAZ-Bild Ilja Höpping |
Infos: http://www.loge-sd.de