Presse
vom 21. Mai 1998
  Brüder wollen Hilfe und Toleranz leben
Druiden-Loge „Schwarzer Diamant“

Zu „Druiden“ fällt den meisten Menschen nur Miraculix ein. Anderes als Zaubertränke hat der Deutsche-Druiden-Orden im Sinn. Etwa 70 deutsche Logen gibt es. Eine von ihnen, der „Schwarze Diamant“, hat ihren Sitz in Rüttenscheid. 

Einmal in der Woche, mittwochs, treffen sich die 33 Brüder des „Schwarzen Diamanten" in ihrem Logenhaus. Was hier geschieht, mag kompliziert scheinen. Geheim ist daran jedoch nichts. „Wir sind Leute, die ein anspruchsvolles Gespräch suchen", erklärt Rolf Oesterheld. Juristisch ist die Loge ein Verein und Oesterheld erster Vorsitzender. Auf Logenebene heißt sein Amt „Edelerz". Ein Titel, der ebenso auf überkommene Traditionen zurückgeht wie das Selbstverständnis des Druiden-Ordens. Der „Vereinigte Alte Orden der Druiden" wurde 1781 in London gegründet. 
Die Loge "Schwarzer Diamant" bestand erstmals 1925 in Gelsenkirchen, 1973 wurde sie in Essen wiederbelebt. 
Ziele aus dem 18. Jahrhundert prägen Orden und Loge bis heute: Geselligkeit und Weiterbildung unter dem Dach von Humanität, Brüderlichkeit und Toleranz. In politischen und religiösen Fragen bleiben sie neutral. Wichtig sei besonders das offene Ohr als Bruder, so Rolf Oesterheld: „Das wollen wir leben." Unwichtig werden dabei Alter und Beruf. Im „Schwarzen Diamanten" sind der Uhrmachermeister, Polizeibeamte, Astrophysiker, Landschaftsgärtner und Ingenieur schlicht Männer gleicher Geisteshaltung. 
Das wöchentliche Treffen, für alle eine gern erfüllte Mittwochs-Pflicht, ist dreigeteilt. Zunächst zieht man sich in die Innenloge zurück. „Da kommt kein Außenstehender rein", stellt der Edelerz klar. „Was hier gesprochen wird, davon dringt kein Wort nach außen." Das gebiete die Vertraulichkeit und die druidische Tradition. „1781 konnte es lebensgefährlich sein, ein offenes Wort zu reden." Meist gestaltet ein Vortrag aus Musik, Literatur, Philosophie oder Ethik die Innenloge.  Ihr folgt die Außenloge. Hier hält ein Logenmitglied ein Referat, anschließend wird diskutiert. „Die Brüder bringen sich unterschiedlich ein", weiß Günter König, Alt-Edelerz. Der Abend endet im Clubraum, oft mit persönlichen Gesprächen. 
Die Druiden des „Schwarzen Diamanten" können aber auch kräftig anfassen. Ihr Logenhaus haben sie in Eigenarbeit ausgebaut, regelmäßig wird verschönert und renoviert.  Was einmal eine Farbenfabrik war, ist heute „Stätte der Begegnung".  Als solche ist die Loge Gegenpol zur Arbeitswelt. In der Firma gerate man „leicht in Verruf, wenn die ethischen Ansprüche zu hoch sind.“ weiß Rolf Oesterheld. Erweiterung des Wissens, Hilfsbreitschaft, Toleranz und Freundschaft leiten ihr Handeln an. „In diesem ethischen Sinn, haben wir einen elitären Anspruch, aber an uns selbst", betont Günter König.  Bei aller Ernsthaftigkeit verachten die Männer des "Schwarzen Diamanten“ aber keineswegs fröhliche Lustbarkeiten - gemeinsam mit ihren Familien. Diese nehmen an Exkursionen, Festen und offenen Abenden teil: Ein wichtiger Ausgleich für die Zeit, die der Vater und Ehemann der Loge widmet. 
Von außen sind Druiden meist durch einen kleinen Anstecker an der Kleidung erkennbar. Der Siebenstern ist schon lange das Zeichen ihres Ordens. Doch  Traditionsbewußtsein bedeutet nicht, hinter der Zeit zu leben: Seit Februar stellt sich der „Schwarze Diamant" im Internet vor - als erste Druiden-Loge Deutschlands.

Drei Druiden vor der Außenloge des „Schwarzer Diamanten“: 
Edel-Erz Rolf Oesterheld (li.), Alt-Edel-Erz Günter König (re.) und Heinz Dörendahl (M.). Er war treibende Kraft, der Loge moderne Kommunikationsmittel wie Internet und eMail zu erschließen.

Text: Bettina Hellenkamp, WAZ-Bild Ilja Höpping 

Infos: http://www.loge-sd.de